Staatsgründung Deutschlands – тема по немецкому

Das In-Kraft-Treten von Verfassungen innerhalb einer staatsrechtlichen Identität gilt i.d.R. in den sogenannten westlichen Demokratien als der entscheidende Gründungsakt von Staaten und ihren Staatsformen. Dazutreten können vorhergehende Verträge, Proklamationen u.ä. der neu zu konstituierenden Staatsform bzw. des neu zu schaffenden Staates. Im Rahmen der Geschichte staatsrechtlichen Identität, zu der die Bundesrepublik Deutschland zählt, wurden bisher sechs Verfassungen in Kraft gesetzt; die Daten ihrer Konstituierung können vor allem unter völkerrechtlichen, aber auch ideengeschichtlichen Aspekten als Gründungsakte der Geschichte des seit 1871 existierenden Nationalstaates betrachtet werden. Nichtsdestoweniger macht die Tatsache, dass an diesem Tag die noch heute gültige Verfassung in Kraft getreten ist, den 24. Mai 1949 zum für die Gegenwart bedeutendsten Gründungsdatum. Der Norddeutsche Bund, der 1866 als Militärbündnis gegründet worden war, erhielt zum 1. Juli 1867 eine Verfassung, die ihn in einen monarchischen Bundesstaat unter preußischer Führung umwandelte. Auf dieser Verfassung beruhen die nachfolgenden Verfassungen des Deutschen Reiches von 1871 und 1919 sowie das Grundgesetz der Bundesrepublik von 1949, ferner gilt sie als Begründungsakt des von der Bundesrepublik noch heute innegehaltenen Völkerrechtssubjekts. Nach der Proklamation am 18. Januar 1871 trat am 16. April 1871 die Verfassung des Deutschen Reiches in Kraft. Verfassungsrechtlich handelte es sich dabei vor allem um den Beitritt souveräner Staaten (Bayern, Württemberg, Baden, Hessen) zum Norddeutschen Bund, dessen „Umbenennung“ in „Deutsches Reich“ und die Einführung des Kaisertitels. 1918/1919 erfolgte der Übergang zu einer neuen Staatsform: am 9. November 1918 wurde die Republik proklamiert, die mit dem In-Kraft-Treten der Verfassung am 11. August 1919 auch konstituiert wurde. Die auch Weimarer Verfassung genannte Konstitution galt während der Herrschaft der NSDAP 1933–1945 formell fort, war jedoch materiell überwiegend außer Kraft gesetzt. 1945–1949 galt das Recht der Besatzungsmächte. 1949 wurden zwei Verfassungen in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 verkündet und zum 24. Mai 1949 in Kraft gesetzt, wobei es aufgrund des Geltungsbereichs bis zur Deutschen Wiedervereinigung nur provisorischen Charakter besaß. Die erste Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik trat am 7. Oktober 1949 in Kraft und wurde am 9. April 1968 durch eine neue Verfassung ersetzt. Zum 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.
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